TouriSpo Magazin

Ägypten - Region des Monats November

In meinem Beruf habe ich das seltene Glück, meine beiden größten Leidenschaften zu vereinen: das Reisen und das Schreiben. Für eine Woche reinen Strandurlaub konnte man mich schon als Kind nicht begeistern. Damals begnügte ich mich damit, meine Eltern auf der Autofahrt Richtung Süden mit italienischen Vokabeln und Fakten aus dem Reiseführer zu behelligen. Während meines Studiums der... Mehr erfahren

erstellt am Nov 2, 2015

Für unsere Region des Monats haben wir diesmal einen ganzen Staat ausgewählt: Ägypten. Im Juli 2015 haben wir das Land der Pharaonen besucht und dabei kennen und lieben gelernt. Im großen Special berichten wir nun ausführlich von unserer Reise auf dem Nil, den einmaligen Kulturschätzen des Landes und seinen freundlichen Bewohnern. Zudem geben wir Ratschläge, was man vor einer geplanten Ägyptenreise bedenken sollte, was unbedingt in den Reisekoffer muss und welche Erinnerungsstücke einen Kauf lohnen.

Einmal quer durch die Wüste

TouriSpo hat für euch das Land der Pharaonen erkundet
© Daniela Wallner TouriSpo hat für euch das Land der Pharaonen erkundet

Es ist bereits später Nachmittag, als unser Flieger im ägyptischen Badeort Hurghada am Roten Meer landet. Ein Reiseleiter und ein Taxifahrer warten bereits auf uns. „Welcome to Egypt“, sagt unser Fahrer. Ein Satz, den wir noch oft hören werden. Wir sind die einzigen beiden Gäste des Flugs aus Nürnberg, die ins Landesinnere weiterreisen. Die einzigen, für die unsere beiden Begleiter vier Stunden nach Luxor fahren, um uns dort abzusetzen und anschließend wieder vier Stunden zurück zu fahren. Seit der Revolution 2011 steckt der ägyptische Tourismus in einer Krise, die zumindest die Bewohner dieses Landes auf keinen Fall verdient haben.

Nachdem unser Gepäck ins Auto manövriert wird, geht’s direkt los – vier Stunden Fahrt durch die arabische Wüste liegen vor uns. Vier Stunden unseres Lebens, die uns noch recht lange im Gedächtnis bleiben sollten. „Du, sag mal, haben die hier Rechts- oder Linksverkehr?“ Die Frage stellt sich auch mir. Man erkennt es nämlich weder am Fahrstil unseres Chauffeurs, noch an dem des Gegenverkehrs. Man fährt da, wo gerade frei ist. Solange es hell ist, ist das auch kein größeres Problem, doch während unserer Fahrt wird es langsam dunkel. Straßenlaternen in der Wüste? Fehlanzeige. Eine Beleuchtung am Auto scheint hier auch nicht jeder zu haben – zumindest macht wohl nicht jeder davon Gebrauch. Während wir uns fragen, wie wir diese Fahrt unfallfrei überleben sollen, bietet uns unser freundlicher Fahrer Bonbons an. Wir essen sie und sind damit gleich am ersten Tag zwei gängigen Vorurteilen begegnet: Ja, der ägyptische Verkehr ist chaotisch. Regeln gibt es quasi nicht. Trotzdem wurden wir sicher an den Nil gebracht. Die Bonbons waren recht lecker und haben uns entgegen aller Vorwarnungen, was ägyptische Nahrungsmittel betrifft, nicht geschadet.

Vor Anker in Luxor
© Daniela Wallner Vor Anker in Luxor

In Luxor angekommen checken wir auf einem der Nilschiffe ein. Es wird für die kommende Woche, in der wir die historischen Kulturstätten entlang des Nils erkunden wollen, unser Zuhause sein. Begleitet wird unsere Reisegruppe von Awad und Mohamed, zwei deutschsprachigen Reiseführern von Meeting Point Egypt. Die beiden studierten Ägyptologen führen uns zu den altägyptischen Tempelanlagen, erklären Wissenswertes zu Land und Leuten und sind auch für den ein oder anderen Spaß zu haben (wie groß wohl eine Hieroglyphenkartusche für „Frau Merkel“ ausfallen würde? ;-) ).

Die klassische Nilkreuzfahrt zwischen Luxor und Assuan ist DIE Pauschalreise schlechthin. Thomas Cook bot sie bereits im Jahr 1869 an. Insgesamt gibt es heute rund 300 Kreuzfahrtschiffe auf dem Nil, der Lebensader Ägyptens. Während unserer Reise waren davon etwa zehn Prozent unterwegs. Obwohl in den heißen Sommermonaten grundsätzlich weniger Touristen in Ägypten sind, ist das ein weiteres Indiz für die enorme Tragweite der Tourismuskrise.

Auf dem Nil von Luxor nach Assuan

Eingang zur Tempelanlage von Karnak
© Daniela Wallner Eingang zur Tempelanlage von Karnak

Wir starten also in Luxor, der früheren altägyptischen Hauptstadt Theben. In keiner anderen Stadt der Welt ist die Dichte an UNESCO-Weltkulturerbestätten höher als hier. Am Ostufer des Nils befinden sich zwei der bedeutendsten altägyptischen Tempelanlagen: Karnak- und Luxor-Tempel. Auf der sogenannten Westbank, der westlichen Uferseite, liegen unter anderem das berühmte Tal der Könige sowie der Totentempel von Königin Hatschepsut. Nicht weniger eindrucksvoll als die alten Kulturdenkmäler Thebens ist das heutige Stadtleben in Luxor. Wer mit der Pferdekutsche eine Fahrt durchs Zentrum wagt, der wird schnell selbst zur Sehenswürdigkeit: Winkende Kinder und „Welcome to Egypt“-Rufe ziehen sich durch das rege Treiben der Basare.

Unser Schiff legt flussaufwärts ins südlicher gelegene Kom Ombo ab. Während der Fahrt sollte man sich unbedingt einen gemütlichen Platz auf dem Sonnendeck sichern und die Ufergegend beobachten. Zwischen hohen Palmen und der untergehenden Sonne, die hier in glühendem Rot in der Wüste verschwindet, finden sich unfertige Lehmhäuser, nistende Wasservögel und immer wieder auch im Nil badende Jugendliche. In der kleinen Stadt Kom Ombo angekommen besichtigen wir den Doppeltempel, der sich praktischerweise nur 70 Meter von der Schiffsanlegestelle entfernt befindet. Zudem kommt man der Kultur der alten Ägypter hier besonders nah: In Kom Ombo gibt es echte Mumien zu sehen. Genaugenommen handelt es sich um mumifizierte Krokodile mit bis zu vier Metern Länge.

Der Nassersee von Abu Simbel aus
© Daniela Wallner Der Nassersee von Abu Simbel aus

Weiter geht unsere Fahrt nach Assuan, der südlichsten Stadt Ägyptens. Hier befindet sich der berühmte Staudamm, der das Land, seine Bewohner und Kulturgüter vor den jährlichen Überschwemmungen des Nils schützt. Dahinter staut sich der 500 Kilometer lange Nassersee auf, der bis in den Sudan reicht und dessen Bau nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell weitreichende Folgen hatte. Früher gehörte dieses Land den Nubiern, einem eigenen Volksstamm. Beim Bau des neuen Staudamms in den 1960er-Jahren mussten 50.000 Nubier umgesiedelt werden. Erhalten sind heute nur noch drei indigene Dörfer, die zu einem großen Teil vom Tourismus leben. Mit Hilfe der UNESCO wurden zudem mehrere altägyptische Tempel umgesetzt. Berühmteste Beispiele sind die beiden Felsentempel Ramses’ II. in Abu Simbel sowie der Philae-Tempel, die in Blöcke zersägt und anschließend originalgetreu wieder aufgebaut wurden. Auf der Rückfahrt flussabwärts legen wir noch einen Zwischenstopp in Edfu ein, um den Chnum-Tempel zu besichtigen. Hier kann man heute noch gut erhaltene farbenprächtige Reliefs bestaunen.

Kairo – Metropole und Kulturhauptstadt

Das letzte Weltwunder: Die Sphinx und Pyramiden von Gizeh
© Daniela Wallner Das letzte Weltwunder: Die Sphinx und Pyramiden von Gizeh

Zurück in Luxor haben wir immer noch nicht genug vom Kulturprogramm. Kurzfristig entschließen wir uns zu einem Tagesausflug nach Kairo. Wir sind – wieder einmal – die einzigen. Nachdem zwei Tage vor dem geplanten Flug blutige Unruhen in Ägyptens Hauptstadt stattfinden, springen auch die letzten Mitreisenden ab. Die politische Lage Ägyptens ist aktuell sicher schwierig. Wer plant, das Land oder gar seine Hauptstadt zu besuchen, der sollte sich definitiv im Klaren darüber sein und das Risiko vernünftig abwägen! Soviel vorneweg: Angst hatten wir sowohl entlang des Nils als auch in Kairo zu keinem Zeitpunkt.

In der Hauptstadt wurden wir wieder am Flughafen von einem Reiseleiter inklusive Taxifahrer abgeholt. Die beiden haben sich den ganzen Tag lang nur um uns gekümmert. So konnten wir uns in aller Ruhe Tutenchamuns Schatz im Ägyptischen Museum, die imposanten Pyramiden und die Sphinx ansehen. Dabei wurden wir wieder einmal selbst zur Sehenswürdigkeit: Da an unserem Besuchstag gerade das Zuckerfest nach Ramadan gefeiert wurde, viele Ägypter Urlaub hatten und selbst mit ihren Familien zu Besichtigungsausflügen unterwegs waren, wurden wir als Europäer neben der Sphinx schnell zum Besuchermagneten. Ob man wohl ein Foto mit uns machen dürfe? Eins mit den Kindern? Und „Welcome to Egypt“ natürlich! Wir sind jetzt jedenfalls auf zahlreichen ägyptischen Smartphones abgelichtet ;-)

Noch ein Tipp: Wer eine Pyramide von innen besichtigen möchte, der sollte für dieses Vorhaben nicht die gewaltige Cheops-Pyramide, sondern eine der kleineren Ausführungen wählen. Sie sehen im Inneren alle gleich aus und die Cheops-Pyramide birgt entscheidende Nachteile: Zum einen kostet ihr Besuch extra Eintritt, zum anderen sind die Pyramidenschächte für gewöhnlich nicht sehr hoch (teilweise nur 90 Zentimeter) und im Fall der Cheops-Pyramide extrem lang. Der Weg ins Innere ist also äußerst beschwerlich, hinzu kommen die hohe Besucherdichte und stickige Luft. Die Anstrengung, die diese Faktoren für den Körper bedingen, sollten nicht unterschätzt werden. Viele Besucher müssen tatsächlich nach wenigen Metern den Rückmarsch antreten.

Erholung am Roten Meer

Das Rote Meer ist wegen seiner Unterwasserwelt vor allem bei Tauchern und Schnorchlern beliebt
© Daniela Wallner Das Rote Meer ist wegen seiner Unterwasserwelt vor allem bei Tauchern und Schnorchlern beliebt

Aber Ägypten ist nicht nur für Kulturinteressierte ein lohnenswertes Ausflugsziel. Die Touristenorte am Roten Meer, allen voran Hurghada, Marsa Alam oder auch Sharm el Sheikh auf dem Sinai, ziehen nach wie vor Taucher, Schnorchler und sonnenhungrige Badeurlauber an. Zudem kann man auch von hier aus zahlreiche Ausflüge unternehmen, beispielsweise zu den Sehenswürdigkeiten in Luxor oder Kairo, aber auch zur Jeep-Safari in die Wüste oder zum Schwimmen mit den Delfinen im freien Meer. Vor allem einen kleinen Schnorchelausflug sollte man unbedingt mitmachen. Die farbenprächtigen Korallenriffe und die einmalige Vielfalt an Meeresbewohnern darf sich kein Urlauber am Roten Meer entgehen lassen.

Im zweiten Teil unseres Ägypten-Specials erklären wir, was man vor einem Urlaub im Land der Pharaonen unbedingt bedenken sollte. Dabei spielen vor allem die politische Lage sowie das Thema Sicherheit eine tragende Rolle. Aber auch über aufdringliche Händler, die arabisch-ägyptische Kultur, das einheimische Essen sowie natürlich über das Klima im nordafrikanischen Wüstenstaat muss man vor der Reise das ein oder andere wissen, um beruhigt und mit einem guten Gefühl in den Urlaub starten zu können.

Zu guter Letzt geben wir euch noch eine praktische Packliste an die Hand, damit ihr auch alles wichtige dabei habt, wenn es los geht. Zudem verraten wir euch, was ihr getrost zu Hause lassen könnt und welche Erinnerungsstücke und Mitbringsel sich wirklich lohnen.

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